Pfälzische Volkszeitung
3. Januar 1968

Das Porträt

Bildhauer Kurt Schmitt

Kaiserslautern.
In seinem Heim auf dem Wiesenthalerhof feierte der Leiter der Abteilung für Holz- und Steinbildhauer, Steinmetze an der Pfälzischen Meisterschule für Handwerker Kaiserslautern, der Bildhauer Kurt Schmitt, am zweiten Weihnachtsfeiertag sein 64. Wiegenfest. Seit 1948 lehrt der in die Heimat zurückgekehrte Künstler an der Schule, an der er von 1918 bis 1922 neben der praktischen Ausbildung in der Bildhauerwerkstätte des Vaters auch das theoretische Grundkönnen sich erwarb.
Professor Dr.h.c. Karl Albiker und Professor Gerhard Marcks, der eine aus dem Künstlerkreis Hoetger - Kolbe - Lehmbruch, der andere von Ernst Barlach geprägt, waren die weiteren Lehrmeister des jungen Pfälzers, der 1924 eine Stelle als Leiter der Bildhauerabteilung an einem Marmorwerk in Schlesien angenommen hatte. Die Kriegsereignisse bedingten die Flucht nach Berlin sowie den Verlust sämtlicher bisherigen Arbeiten von Kurt Schmitt.
Inzwischen sind jedoch wieder eine Anzahl Werke entstanden, darunter auch öffentliche Aufträge, die es gestatten, die künstlerische Aussagekraft des ohne Rücksicht auf Modernismen wirkenden Bildhauers zu würdigen. Er hat seinem Heim ein Atelier angebaut und freut sich auf die Zeit da er ohne andere berufliche Verpflichtungen sich ganz seinem Schaffen widmen kann.
Die pädagogische Arbeit bedeutet ihm aber keinesfalls den nur widerwillig ausgeübten Broterwerb, das beweist die liebevolle Art, mit der Kurt Schmitt über seine Schüler spricht. Diese wiederum erinnern sich gerne ihres Lehrmeisters, und so mancher kommt noch nach vielen Jahren zu ihm, um einen Rat einzuholen.

Neben seiner Stellung an dem Marmorwerk war Schmitt von 1926 bis 1927 Zeichenlehrer an der Berufsschule im schlesischen Gnadenfrei gewesen. Der Drang, sich künstlerisch weiterzubilden, veranlaßte ihn, 1927 bis 1934 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Karl Albiker zu studieren. Während der Semesterferien arbeitete der Kunststudent Schmitt im Atelier von Gerhard Marcks.
So vereinigte sich der ästhetische Einfluß von Maillol und Rodin, vermittelt durch Albiker, und der kreatürliche Expressionismus von Ernst Barlach, der seinen Widerhall bei Marcks fand, bei dem jungen Künstler aus der Pfalz.
Biographisch ist noch zu erwähnen, daß Schmitt von 1934 bis 1939 in Berlin als freischaffender Bildhauer wirkte. Während des Krieges war er wieder in Schlesien ansässig, wo er eine Konstruktionsabteilung der Firma Telefunken leitete. Nach der Flucht lebte Schmitt wieder bis 1948 freischaffend in Berlin.

Ausstellungen in Dresden, Berlin, München, Mainz und Kaiserslautem machten den Namen des für die Bewahrung des Menschenbildes eintretenden Bildhauers Kurt Schmitt über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt. Er wurde beauftragt, Ehrenmäler, Grabmäler, Wandbrunnen und Plaketten zu schaffen. Staatliche und städtische Einkäufe beweisen, wie hoch der Künstler geschätzt wird.
So schuf er die Plakette zur 750-Jahr-Feier der Stadt Kaiserslautern. Arbeiten besitzt die Pfalzgalerie, eine Bronzefigur "Stehender Knabe" ziert das Amtszimmer des Oberarchivrats Dr. Ottheinz Münch. Im Altsprachlichen Gymnasium ist eine Arbeit von Schmitt zu sehen. Der Wandbrunnen der Stresemannschule stammt ebenfalls aus seinem Atelier. Für den im Januar 1957 verstorbenen Maler Ludwig Waldschmidt verfertigte sein Kollege das Grabmal. In der weiteren Umgebung Kaiserslauterns finden wir das von Kurt Schmitt gearbeitete Kriegerehrenmal in Hütschenhausen.

Alles in allem, eine aufrechte Künstlerpersönlichkeit.
Den zahlreichen Geburtstagsglückwünschen, die Kurt Schmitt erreichten, sei auch unserer beigefügt.

Hans Mattern

 

nach oben